Lichtbad

Les Bains des Docks, Le Havre/F

Wo Himmel, Licht und Wasser dominieren – an Frankreichs Atlantikküste gibt es seit kurzem ein „lichtarchitektonisches“ Badeerlebnis. Jean Nouvels Bains des Docks in Le Havre ist die architektonische Referenz an eine von Licht und Wasser bestimmte Landschaft.↓

Jean Nouvel und sein Team haben sich bei ihrer neuen Bade-­Architektur im ehemaligen Hafengebiet von Le Havre vor allem dem Licht als wichtigem Gestaltungselement verschrieben. Entstanden ist ein exemplarischer Innenraum, der die Interaktion von Raum, Licht und Wasser neu definiert.


Außen kompakt – innen labyrinthisch

Außen erscheint das 5000 m² große „Badehaus“ auf dem ehemaligen „Quai de la Réunion“ wie eine einstöckige Lagerhalle. Doch das täuscht. Dass das dunkel verkleidete Gebäude zweistöckig ist, ­erschließt sich dem Besucher erst beim Durchgang durch den traufhohen, großflächig verglasten Eingangsbereich. Das Gebäude bildet quasi die Keimzelle und den Einstieg für eine völlige Neugestaltung des gesamten alten Hafenbereichs von Le Havre. Die planerische ­Verantwortung hierfür wurde ebenfalls den Ateliers Nouvel in Paris übertragen. So stellt denn der auch nachts eindrücklich beleuchtete Baukörper mit seiner hell erleuchteten Eingangsfassade eine deutliche Referenz an die ehemalige Funktion des Ortes und seiner Bauten dar. Die von dem französischen Lichtplaner Yann Kersalé vorgenommene Fassadenbeleuchtung betont dabei eher sparsam die horizontale Ausdehnung des gesamten Baus.

Vom Grundriss her präsentiert sich das Badegebäude als ein ­allseits geschlossenes Rechteck in dessen vorderem Teil auf maximal zwei Stockwerken die Eingangs-, Umkleide- und Dienstleistungsbereiche untergebracht sind. Wohingegen im hinteren Bereich etwas ­zueinander versetzt die überdachten, labyrinthischen Badebereiche wie auch das große nach oben hin offene Außenschwimmbecken sich anschließen. Es zeigt sich nicht nur aus Gründen des Windschutzes als vorteilhaft, dass das große Becken in das Gebäude ­integriert wurde. Der Ausblick bzw. Einblick erfolgt durch die für alle Nouvel-Bauten so charakteristischen asymmetrischen Fenster- und Nischenausnehmungen der umgebenden Wandflächen. Der Gegensatz zwischen dunkler Außenhaut des Gebäudes und den hellweißen Innenräume verblüfft und konstituiert das Charakteristikum des Baus.


Kubistische Grottenlandschaft

Vor allem bestimmen Nischen, horizontale und vertikale Durchblicke und Durchbrüche die Erfahrung des inneren Badebereichs: Jean Nouvel spricht davon, dass der Innenraum regelrecht aus dem Baukörper „heraus gegraben“ worden sei. Die dadurch entstandene, besondere Raum- und Deckenplastik mit den darin eingelagerten türkisgrünen Wasserflächen und je nach Wetterbedingungen wechselnd hellen ­Tageslichtführungen erzeugen ein ganz besonderes Raumklima: eine Art kühle, geometrisierte Grotten- oder Wolkenlandschaft. Die Raumsituationen erscheinen, wegen der unauffällig indirekten Ausleuchtung einzelner Wand-, Decken- und Wasserflächen niemals eng oder gar bedrängend.

Dazu tragen vor allem die vorherrschend weiß gefliesten oder ­lackierten Flächen mit unterschiedlich starkem Reflexionsgrad bei, sowie das aus unzähligen Deckendurchbrüchen einfallende ­Tageslicht. Je nach Tageszeit und Bewölkung akzentuiert es die Farbwirkung der Wasserflächen oder bildet mit seinen diagonalen Lichtbahnen auf den Wänden eine Art zusätzlicher Wandstruktu­rierung.

Neben dem 1050 m² großen Außenbecken sind es vor allem die unterschiedlich funktional bestimmten Innenbereiche, die den Charakter des Bades bestimmen. Von Wandzonen und kleinen Wasser­fällen abgetrennt, bilden sie mit verschiedener Wassertemperatur, Wand- und Deckenstrukturen drei Badezonen: einen ruhigeren Bade­bereich für die Rekreation, eine Spielzone und einen etwas größeren Schwimmbereich. Eine große Rutsche im Zentrum des Baus, Sprudelbecken, Wasservorhänge und der farbige Kinderspielbereich, ­bilden zusammen mit dem beheizbaren Außenschwimmbecken die Hauptanziehung des Bades.

Tages- und Kunstlicht in wechselseitiger Ergänzung
Der Kunstlichteinsatz ist dem Tageslicht angepasst bzw. ergänzt es ­organisch. Das Kunstlicht wird dazu eingesetzt, die Flächen von Bassins, Wänden und Decken zu überschaubaren Räumen zu formen. Das trifft besonders auf die Innen-Schwimm- und Badebereiche zu: Das Tageslicht wird hier nicht nur integriert, sondern nachgerade ­gefördert und herausgestellt.

Dies gilt vor allem für Wandbereiche, wo Tageslicht zum Beispiel durch Schattenwurf deutlicher hervortritt. Dort sind dann die benachbarten Wandausleuchtungen mit Kunstlicht deutlich darauf angepasst. So erkennt man bei der Lichtplanung deutlich die führende Hand des Architekten, der nicht dekorieren, sondern Raumzusammenhänge schaffen will. Wie bei vielen anderen Nouvel-Bauten ­wurde auch hier die Lichtplanung im Hause selbst von der Licht­planerin Odile Soudant klar und einfühlsam bestimmt.

Bei der Beleuchtung der Wasserbecken versucht man nicht zu grell von unten her auszuleuchten als vielmehr die Eigenfarbe und den Flächencharakter des Wassers auch von oben her mit gezieltem Scheinwerfereinsatz zu betonen. Es werden bestimmte Architektur-elemente stärker ausgeleuchtet, wie zum Beispiel Durchbrüche in ­Decken oder auch Pfeiler, um dort falls notwendig, zu großes ­Gewicht oder bedrängende Dunkelheit zu ver­meiden.

Dabei verwendet man vorrangig verdeckt in ­Architekturelementen oder Gehäusen untergebrachte Lichtquellen. Aber auch in den übri­gen Bereichen, in den Trockenräumen und Verkehrszonen legt man Wert auf eine verdeckte Unterbringung von Strahlern, Scheinwerfern und Leuchtstofflampen bei möglichst flächiger ­Ausleuchtung der Wände. Zusätzlich kommen an einigen ausgewählten Wandbereichen Lichtprojektionen zum ­Einsatz: zumeist helle netzartige Strukturen auf ­vertikale Flächen nahe den Badebecken.

Alle Leuchten in den reinen Badebereichen sind verdeckt eingebaut. Die Beleuchtung in den Umkleide- und Flurbereichen und der Zone der kosmetischen und therapeutischen Dienstleistungen ist ebenfalls indirekt und alle eingesetzten Lichtquellen – sowohl Strahler, Scheinwerfer wie auch Leuchtstoffröhren sind verborgen angebracht. Besonders dunkle Flurbereiche verfügen außerdem über ­zusätzliche kleine Bodenfluter. Die gesamte Lichtanlage unterliegt ­einer zentralen Steuerung, in die jedoch manuell eingegriffen werden kann. Die ­Anpassung an das Tageslicht in den davon betroffenen ­Beleuchtungsbereichen ist halbautomatisch und kann aber auch manuell vorgenommen werden.

Das neue Bad erfreut sich nicht nur bei der Bevölkerung von Le Havre besonderen Zuspruchs, sondern zieht auch viele Besucher von außerhalb an: Meint ein engli­scher Besucher: „fast wie an den Klippen von Dover – nur das Wasser ist wärmer und das Licht auch bei Regen schön!“ Christoph A. Hoesch, Vilgertshofen

Jean Nouvel und sein Team haben sich bei ihrer neuen Bade-­Architektur im ehemaligen Hafengebiet von Le Havre vor allem dem Licht als wichtigem Gestaltungselement verschrieben. Entstanden ist ein exemplarischer Innenraum, der die Interaktion von Raum, Licht und Wasser neu definiert.


Außen kompakt – innen labyrinthisch

Außen erscheint das 5000 m² große „Badehaus“ auf dem ehemaligen „Quai de la Réunion“ wie eine einstöckige Lagerhalle. Doch das täuscht. Dass das dunkel verkleidete Gebäude zweistöckig ist, ­erschließt sich dem Besucher erst beim Durchgang durch den traufhohen, großflächig...


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