Luminale 2010 = Light + E-Motion
Die Rhein-Main-Region verlängert den Messetag mit 150 Licht-Ereignissen Light + Sound, Light + Media, Light + E-Motion, das sind die Themen der Luminale 2010. Licht bewegt, verwandelt Atmosphären, hellt Stimmungen und Gefühle auf. Licht-Installationen entdecken öffentliche Räume, die ansonsten ein Schatten-Dasein fristen. Schon zum fünften Mal findet die Lichtkultur-Biennale parallel zur Weltleitmesse Light+Building vom 11. bis 16.April in Frankfurt RheinMain statt. Rund 150 Licht-Ereignisse wurden vorbereitet. Künstler, Designer, Performance und Visual Artists, VJs & DJs, Architekten und Ingenieure sind dem Angebot der Luminale gefolgt, Museen, Galerien, Industriearchitektur, Baustellen, Monumente, Fassaden, Plätze und Parks für die Zeit der Messe in ein internationales Lichtlabor zu verwandeln.
Am Abend nach einem Messetag trifft man sich auf der Luminale zum „Networking“ und „Clubbing“. Außergewöhnliche Luminale-Treffpunkte gibt es einige: Die Installation des Künstler-Duos Kehres & Hungerer im Kunstverein Familie Montez dürfte zu den „In-Places“ des Festivals gehören. Hier wird ein Ort in Szene gesetzt, den so kaum jemand in Frankfurt erwartet haben dürfte. Der Deutsche Designer Club betreibt im Sven Swans am Mainufer eine Licht-Bar für DDC-Mitglieder und Freunde. Die „Celebration of Light“ der Professional Lighting Designers am 13. April dürfte für die internationale Szene zu dem Treffen des Jahres werden. Für die Pecha Kucha Light Night (www.pechakuchanight.de) des Deutschen Architektur Museums ist schon am Samstag, demVorabend der Light+Building und Luminale, ein Feuerwerk der Ideen zu erwarten. Am Sonntagabend wird Peter Weibel (Vorstand des ZKM Karlsruhe) die Installation von Kehres & Hungerer mit einem Vortrag zur Lichtkunst eröffnen, bevor dann die Party steigt. Am Montag geht es auf dem „Media Facades Summit“ in der Sparda Bank weiter mit dem heiß umstrittenen Thema „Medienfassaden“ und interaktiven Architekturkonzepten. Am Dienstagabend geht es auf die „Celebration of Light“. Kurt Vermoelen zeichnet dort für das Konzept des Abends verantwortlich. Am Mittwoch folgt das Symposium der FH Frankfurt. Hier stehen ökologisch sinnvolle Konzepte wie die Tageslicht-Nutzung auf dem Programm: Manfred Hegger (Solardecathlon / TU Darmstadt), Helmut Köster, Bartenbach LichtLabor, Jan Edler haben zugesagt. Und am Freitag lädt der CocoonClub zur Luminale-Abschlussparty mit Lichtmoden-Show.
Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Licht nur ein- oder ausschalten ließ. Dimmen und programmierbare Lichtszenarien, die auf Stimmungen reagieren, sind im Alltag angekommen. Licht wird zum Medium. Die Meditationsräume von James Turrell haben dem interessierten Publikum die Augen für die spirituellen Dimensionen des Lichtes eröffnet. Während der Luminale zeigt Spectral die frühen Arbeiten vom James Turrell im Karmeliterkloster. Im benachbarten Museum für Archäologie hat die Mailänder Architektin Gisella Gellini für die Luminale eine Überblicksausstellung zum Thema „Lichtkunst aus Italien“ kuratiert. Sie startet bereits am 9. April während des Aufbaus von Messe und Luminale.
Licht ist zum Medium der Szenographie geworden: Stadträume entwickeln sich zu Bühnen urbaner Selbstinszenierungen – wie viele andere Erlebnisräu me auch. Das führt die Luminale auch 2010 wieder vor. Diesmal sind es die Wallanlagen mitten in der Stadt, ein Grünzug, der ein Schattendasein fristet, obwohl sich der Park um die gesamte Kernstadt zieht. Die Wallanlagen werden zum Schauplatz für Performances, inszenierte Spaziergänge, Licht-Installationen, Illuminationen von Denkmälern, Weihern und Seen und versteckten Gärten. Das Entrée zur Luminale ist und bleibt Frankfurts Hauptbahnhof, der 2010 im Zeichen medialer Inszenierungen steht. Das Institut für Mediengestaltung (FH Mainz) zeigt Projektionen und interaktive Installationen. Messegäste mit knappem Zeitbudget sollten mindestens das Luminale-Projekt im Naturmuseum Senckenberg, wenige Schritte vom Messeeingang City entfernt, erleben: die „Time Shadows“-Installation von Philipp Geist. Auf den innerstädtischen Plätzen tut sich Einiges: Eine raumgreifende szenographische Arbeit an der Hauptwache (Wolfgang Rang), die großzügig von der MAINOVA mit einem eigens zur Luminale ausgelobten Preis gefördert wurde, über den mobilen Pavillon des italienischen Designers Mario Nanni bis hin zum Plus-Energie-Haus auf dem Rathenauplatz, das für die grüne Seite der Luminale steht. Der Modell-Bau (Prof. Hegger, TU Darmstadt) wird zum Anlaufpunkt für zahlreiche Aktivitäten rund um die Themen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Effizienz und Klimaschutz. Die „Klimatours“ des Energiereferats der Stadt zeigen Frankfurt als Passivhaus-Hauptstadt, machen beispielsweise die „Green Towers“ der Deutschen Bank zugänglich. Bei aller Lust an der luminalen Opulenz geht es auch um die Fragen, wie sich der Umgang mit Licht im Alltag intelligenter und effizienter gestalten lässt. Die Luminale zeigt die ganze Bandbreite: vom emotionalen Lichtspektakel bis zum vernünftigen Umgang mit Energie im Alltag.
Frühlingsgefühle dürften auch im Palmengarten aufkommen. Dort hat die HFG Offenbach ihre „Stadtlichtung“ eingerichtet. Experimentelle Projekte verteilen sich über einen der bedeutendsten Botanischen Gärten der Welt. Biolumineszenz, LED, Interaktivität sind einige der Stichworte, mit denen sich die Gestaltungskonzepte von morgen verbinden.
Wer mit Frankfurt vor allem die Banken und die Skyline assoziiert, dem zeigt die Luminale auch ganz andere Einblicke. Zum Beispiel die ehemalige Farbenfabrik Dr. Carl Milchsack, in der das Microfestival „Making OFF – Diskorevolution“ zur Luminale läuft. Auch unter der Honsell-Brücke am Osthafen geht abends die Post ab. Die Luminale hat verschiedene geographische Schwerpunkte. Einzelne Themenkreise wie Light + Sound, Light + Media gliedern das Programm. Light-Tours nennen Führungen zu ausgewählten Orten und Themenkreisen, die Quartier-Aktivitäten in den Stadtvierteln sind ebenfalls zusammengefasst. Light Performances und das Light Networking sind die Stichworte für die Treffpunkte der Insider, Profis und Licht-Enthusiasten. Mit diesen Themen sind Spuren durch das umfangreiche Programm angelegt, die die Orientierung erleichtern. Nie gab es eine solche Dichte von Luminale-Projekten wie 2010 in Frankfurt. Die Luminale-Buslinie verbindet einige Brennpunkte bequem miteinander und verkehrt im dichten Zeittakt. Navigationshilfen bietet das Internet und natürlich das Luminale-Programm.

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