Solarstrom für die Stadt im Gleichgewicht

Gebäudeintegrierte Solarmodule für den deutschen EXPO Pavillon

„Better City, Better Life“ lautet das Motto der Weltausstellung in Shanghai, zu der die Veranstalter zwischen 1. Mai und 30. Oktober über 70 Millionen Besucher erwarten. Deutschland setzt das Thema unter dem Namen „balancity“ um, kreiert aus den Wörtern „Balance“ und „City“: Der Deutsche Pavillon stellt eine Stadt im Gleichgewicht dar – zwischen Innovation und Tradition, Gemeinschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit, Stadt und Natur. Dem Gleichgewichtsaspekt entspricht auch, dass der Pavillon einen Teil der Energie, die er verbraucht, selbst erzeugt: Eine Solarfassade aus fast 400 m² „Asi Thru“ Photovoltaikmodulen von Schott Solar integrierten die Architekten von Schmidhuber + Kaindl in die Südseite des Ausstellungsgebäudes.
„Besonders begeistert bin ich von dieser gebäudeintegrierten Solarfassade, also der Idee, Solarzellen in eine Verbund-Scheibe zu integrieren und somit die architektonisch weniger schönen Aufdachsolarzellen abzulösen“, sagt Lennart Wiechell, der verantwortliche Architekt und Geschäftsführer bei Schmidhuber + Kaindl. Die semitransparenten Dünnschichtmodule erfüllen gleich mehrere Aufgaben: Sie schützen das Gebäude vor Wind und Wetter, wandeln Sonnenlicht in Strom um und sind gleichzeitig lichtdurchlässig: In „balancity“ lassen sie etwa 10 % des einfallenden Sonnenlichtes in den Raum.
Die „Asi“ Module bestehen aus amorphem Silicium, das in sehr dünnen Schichten auf eine Glasscheibe aufgebracht wird. Das Sonnenlicht setzt in der Halbleiterschicht Elektronen frei. Diese Schicht ist durch Laserschnitte in Streifen unterteilt, die die einzelnen Solarzellen voneinander trennen und dann elektrisch in Serie verschalten. Die Dünnschicht-Solarmodule eignen sich besonders für die gebäudeintegrierte Solararchitektur in Fassaden und Ähnlichem, da sie auch bei nicht optimaler Sonneneinstrahlung – beispielsweise sehr flachen oder steilen Einfallswinkeln des Lichts – viel Energie aus der Sonne herausholen. Auch hohe Temperaturen beeinträchtigen ihre Leistungsfähigkeit kaum.
Als architektonisches Gestaltungselement verbinden die Solarmodule Funktionalität mit Nachhaltigkeit und Ästhetik. „Multifunktionale Glasscheiben, die zum Beispiel zugleich als Raumtrenner, als Projektionsfläche und zur Energiegewinnung smart ineinander greifen, werden in Zukunft in der Architektur eine größere Rolle spielen“, glaubt Lennart Wiechell. Ein weiteres Beispiel dafür findet sich im VIP-Bereich im Zentrum von „balancity“, für den die Architekten einen Konferenztisch mit Beamer entworfen haben. „Wir dachten, dass wir das Bild auf eine herkömmliche Leinwand werfen müssen, die man aus der Decke zieht“, erinnert sich Lennart Wiechell. Mit Schott wurde die Idee erarbeitet, stattdessen eine entspiegelte Glasscheibe als Projektionsfläche in die Wand zu integrieren, was den Pavillon um eine weitere kreative Glaslösung bereichert hat.
„Balancity“ ist der größte Pavillon, den Deutschland jemals zu einer EXPO beigetragen hat. Insgesamt dauerten die Vorbereitungen zweieinhalb Jahre. Die Architektur des Deutschen Pavillons stammt von den Spezialisten für Corporate Architecture Schmidhuber + Kaindl aus München, das Ausstellungskonzept stammt von den Stuttgarter Spezialisten für Kommunikation, Milla & Partner. Nüssli (Deutschland) aus Roth ist mit der Bauausführung betraut. Schott war seit Frühjahr 2009 an der Planung beteiligt und hat sowohl Ideen der Architekten und Ausstellungsmacher umgesetzt als auch eigene Produktideen eingebracht.
Judith Schwarz, Gina Hardebeck


www.schott.com

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